Wie haucht man leeren Läden Leben ein?

13. Oktober 2016 | Aktuelles

Tristesse pur in der Lübecker Straße

Tristesse pur in der Lübecker Straße: Das Geschäfts, in dem bis vor Kurzem der „Froschkönig“ zu finden war, ist ebenso zu vermieten wie das Ladenlokal gegenüber, wo Holger Stenkamp Schokoladenspezialitäten verkauft und Kaffeespezialitäten serviert hatte.

von Peter Thoms

Plöner Politiker verhandeln mit der Wirtschaftsförderungsagentur des Kreises über eine grundlegende Lösung.

Plön. Von innen beschlagene Schaufenster, in deren Auslage nur ein Schild mit der Aufschrift „Zu vermieten“ steht, sind nicht gerade die Zierde einer Fußgängerzone oder eines verkehrsberuhigten Bereichs. Auch wenn Vermietung und Verpachtung natürlich reine Privatsache der jeweiligen Immobilienbesitzer sind, hat die Stadt Plön ein Interesse daran, die Innenstadt als „gute Stube“ dastehen zu lassen. Wie das bewerkstelligt werden kann, damit beschäftigen sich der Hauptausschuss sowie die Arbeitsgruppe Stadtmarketing. Die Lösung könnte ein Leerstandsmanagement durch die Wirtschaftsförderungsagentur des Kreises Plön (Wfa) sein, die sich um einen solchen Auftrag bemüht. Wfa-Geschäftsführer Knut Voigt stellt in nichtöffentlicher Sitzung Eckpfeiler seiner Ideen vor, wie Ausschussvorsitzender Oliver Hagen mitteilte.

Leere Schaufenster könnten von Nachbarläden oder auch für Ausstellungen genutzt werden.

Laut Hagen wolle die Wfa Gespräche mit den Eigentümern leerstehender Geschäfte führen, und passende Mieter über eine Internetplattform mit Angeboten auch aus Lütjenburg und Preetz finden. Vereinbaren könne man sicher auch Mietverträge mit anfangs günstigen, symbolischen Mieten – die Immobilienbesitzer müssten nur mitspielen. Einen Beschluss habe der Hauptausschuss noch nicht gefällt, weil sich die Kommunalpolitiker vorher noch mit den Mitgliedern des Stadtmarketings kurzschließen wollen.

Knut Voigt präzisierte auf Nachfrage seine Ideen, mit der er seine Dienstleistung der Stadt schmackhaft machen möchte: Ganz am Anfang steht die Bestandsanalyse, die ein Wfa-Mitarbeiter per Internetrecherche macht und anschließend im Rahmen einer Ortsbegehung mit der Realität abgleicht. Die Recherche vor Ort werde ergänzt durch den Blick auf bestehende Geschäfte, um das Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot auszuloten. Ein Blick auf die Altersstruktur (die demografische Entwicklung) und auf wirtschaftliche Kennziffern vervollständigten die Basis für ein erfolgversprechendes Leerstandsmanagement.

Wenn man nach diesen Vorarbeiten schließlich die Hausbesitzer ausfindig gemacht habe (was aus Datenschutzgründen nicht immer ganz einfach sei), werde man versuchen, Zwischennutzungen für leere Läden zu vereinbaren. Das könne das Nachbargeschäft sein, das das leere Schaufenster nutze, und es könnten Ausstellungen sein, die allemal eher ein Hingucker seien als komplett leere Auslagen. Voigt weist in diesem Zusammenhang darauf hin, das eine solche Zwischennutzung natürlich nie im Leben den Ertrag eines vermieteten Geschäftes bringen kann, aber Vandalismus vorbeuge und – je nach Verhandlung – jedenfalls die Nebenkosten für die Immobilien erwirtschafte. In Lütjenburg sei ein solches Verfahren bereits angelaufen.

Für Hausbesitzer wäre ein solches Leerstandsmanagement übrigens kostenlos, schließlich wolle und dürfe die mit öffentlichen Mitteln geförderte Wirtschaftsförderung den gewerblichen Immobilienmaklern keine Konkurrenz machen.